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Sprachratgeber alphabetisch

Was Sie selbst tun können

Kleine Veränderungen zeigen oft große Wirkung.

Unter den folgenden Stichwörtern finden Sie kleine und große Grundregeln von Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik, Satzbau, Stil.

Es macht sich immer gut, nicht nur inhaltlich, sondern auch formal korrekte Schriftstücke zu verfassen!

 

Die Regeln sind nicht vollständig, sondern orientieren sich an von uns und Anderen häufig bemerkten Fehlern oder unschönen Gewohnheiten in Briefen, Zeitungsartikeln und Werbeschriften.

Von A bis Z oder: wie man es nach Strich und Faden richtig macht

(im Aufbau)

Abkürzungen  
dt. deutsch
RS Rechtschreibung
   

Anführungszeichen

 

Zu viele Anführungszeichen in einem Text verwirren und untergraben die Seriosität des Geschriebenen.

Welche Textstellen können durch Anführungszeichen hervorgehoben werden?

 

- Zitate:

"Der Rest ist Schweigen." heißt das Schlusswort in Shakespeares Drama Hamlet.

"Ratzinger wird Papst. Teufel dankt ab.", lauteten die Schlagzeilen vieler Zeitungen zum Amtsantritt Benedikts XVI.

- Sprichwörter oder sonstige Äußerungen, über die man etwas schreiben will:

Das englische Sprichwort "Make hay while the sun shines" findet seine Entsprechung im deutschen "Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist". 

Die Bank, die mit dem Slogan "...mit dem grünen Band der Sympathie" geworben hatte, bereute die Wahl dieses

Mottos sehr, als ihre guten Beziehungen zu den Machthabern Hitlerdeutschlands bekannt wurden.

- Buch-, Film- und Musiktitel sowie Markennamen, Zeitungsnamen u.ä.:

Sie hört gern "Die vier Jahreszeiten" von Vivaldi.

Helmut Qualtinger spricht in Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit" alle Rollen.

Zu diesem Thema erschien letzte Woche ein längerer Artikel in der "Zeit".

Wenn der Bezug klar ist, z.B. im oben genannten Drama Hamlet, müssen die Anführungszeichen nicht unbedingt gesetzt werden.

- ironische Hervorhebungen:

Das "Gästezimmer" war ein Holzverschlag im Keller.

Die "freundliche Kollegin" machte ihm das Leben zur Hölle.

 

Setzen Sie Anführungszeichen daher nur in den oben erwähnten Fällen. Eine unüberlegte Verwendung hat nur zur Folge, dass Ihre Äußerungen nicht ernst genommen werden, wie bei dem berühmten Beispiel "Frisches" Fleisch, denn das war ein klassisches Eigentor.

Apostroph

 

Seine falsche Verwendung wird an vielen Stellen im Netz bissig verspottet. Von "Deppenapostroph" oder "Apostrophitis" ist die Rede.

Ob es etwas genützt hat? Nein, denn die "Täter" lesen diese Seiten nicht. Sie sind beschäftigt damit, Werbeprospekte, Websites oder neue Firmenschilder zu entwerfen und richten sich wohl weniger nach Regeln, sondern nach dem, was sie tagtäglich sehen.

Da die falsche Verwendung so verbreitet ist, sah sich auch der Duden, der ja mehr deskriptiv als präskriptiv sein will, in die Knie gezwungen und gab einige Genitiv-Apostrophe bei Namen wegen möglicher Missverständnisse mit der Formulierung "gelegentlich ... gebraucht" frei:

- Grimm'sche Märchen (Verwechslung mit dem Namen Grimmsch)

- Willi's Würstchenbude (Verwechslung mit Familiennamen Willis)

- Andrea's Blumenladen (Verwechslung mit dem männlichen Vornamen Andreas)

In den beiden letzteren Fällen würde allerdings die Regel greifen, dass im Genitiv bei Namen, die auf s-Laute enden, sowieso ein Apostroph steht. Die Würstchenbude von jemandem namens Willis hieße "Willis' Würstchenbude"; somit ist klar, dass "Willis Würstchenbude" der Imbissstand von Willi ist. Andreas müsste seinen Laden "Andreas' Laden" nennen. Das Geschäft von Andrea hieße dagegen logischerweise "Andreas Laden". Natürlich sind das Spitzfindigkeiten.

 

Man kann Vermutungen darüber anstellen, wie die Entwickliung weitergeht, ob die zugelassenen Ausnahmen wieder eingeschränkt oder aber die Verwendung beim Genitiv von Namen generell erlaubt wird.

Vielleicht darf man eines Tages ganz regulär Anna's Tasche oder Herrn Bleich's Bewerbung schreiben.

 

Was aber sicher nie zur Regel wird:

"nicht's", "glänzende Foto's" oder "Bahnhof's-Bäcker"

dafür, dagegen, damit, danach, darauf, davon, darüber, dazu 

 

Diese Wörter bestehen aus einem Adverbteil (da...) und einem Präspositionsteil (für, gegen ...). Sie werden als Präspositionaladverbien oder auch Pronominaladverbien bezeichnet und im hochsprachlichen Satz nicht getrennt:

Dafür haben wir kein Verständnis.

Damit habe ich nichts zu tun.

Darauf können Sie sich verlassen.

Dagegen kann man etwas tun.

 

In der Umgangssprache werden diese Wörter oft auseinandergezogen:

Da haben wir kein Verständnis für.

Da hab ich nichts zu tun mit.

Da kann man was tun gegen.

Da halte ich nichts von.

Da dachte er sich nichts bei.

 

Unterscheiden Sie bitte zwischen mündlichem und schriftlichem Sprachgebrauch. In einem schriftlichen Dokument sind solche Konstruktionen unpassend, es sei denn, es handelt sich um ein Zitat.

 

das und dass

 

In den allermeisten Online-Dokumenten, auf seriösen Websites, in Geschäfts- und Werbebriefen, in Prospekten, kurz: in vielen Schriftstücken, die eigene Ideen oder Produkte ins rechte Licht rücken sollen, werden "das" und "dass" ständig verwechselt. Da beide Schreibungen existieren, schlägt z.B. die Word-Rechtschreibprüfung, sofern verwendet, keinen Alarm.

 

Dass aus "daß" nach der Rechtschreibreform "dass" wurde, hat das Verwechslungsproblem leider nicht gelöst.

 

Wann schreibt man "das"?

1. Wenn es sich um einen der drei Artikel (Begleiter) der, die, das handelt:

das Museum, das Gefühl, das Licht, das Geschrei, das Versehen, das Herunterladen usw.

 

2. Wenn es sich um ein Relativpronomen (rückbezügliches Fürwort) handelt:

Das Haus, das wir angemietet haben, liegt auf einer Anhöhe.

Er hatte das Dokument, das er zur Anmeldung brauchte, in der Zwischenzeit verlegt.

Niemals werden sie das Versprechen, das sie den Wählern gegeben haben, einlösen.

 

3. Wenn es sich um ein Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort) handelt:

Hast du das gehört? Das ist ja die Höhe! Das hätte ich nicht von ihr gedacht. Wie sollen wir das nur bewerkstelligen? Das dürfen Sie von uns erwarten: ...

 

Wann schreibt man dass?

Wenn es sich um eine Konjunktion bzw. Subjunktion (Bindewort) handelt:

 

Es ist schön, dass du gekommen bist.

Wir freuen uns, dass Sie schon zehn Jahre Kunde bei uns sind und wünschen uns, dass Sie auch weiterhin mit uns zufrieden sein mögen.

(Ich will,) Dass du pünktlich zum Abendessen zu Hause bist!

Der Zug war schon abgefahren, sodass sie sich ein Hotel für die Nacht suchen mussten.

Unglaublich, dass niemand etwas gemerkt hat!

 

Mit der Faustregel, dass man für das dieses oder welches einsetzen kann, für dass aber nicht, vermeidet man die allermeisten Fehler.

Für weitere Erklärungen, oder wenn Sie ein bisschen üben wollen, empfiehlt sich z.B. die Adresse:  http://www.das-dass.de/

einmal mehr

 

... ist eine schlampige Englischübersetzung, wahrscheinlich aus dem Pressewesen, für die man als Schüler Punkte abgezogen bekommen hätte.

once more = noch einmal, nochmals

 

Ein Beispiel:

In der britischen Ur-Superstar-Show "Pop Idol" probt ein angehendes Sternchen ein Lied. Der Moderator schüttelt den Kopf und rät: "Once again, honey, with more feeling." Little Star hat das Lied ein Mal gesungen und soll es nun wiederholen. Auf deutsch: "Noch einmal, Süße, und diesmal mit mehr Gefühl."

 

Ein Mal mehr kann man aber folgendermaßen verwenden: "Sie haben nur ein Mal mehr Punkte erzielt als der Durchschnitt. Das ist zu wenig."

Oder in der Verneinung: "Sie haben nicht einmal mehr die geringste Punktzahl geschafft. Damit sind sie ausgeschieden." 

 

Nach der Rechtschreibreform schreibt man übrigens "einmal" nur in feststehenden Ausdrücken wie "noch einmal", "wieder einmal", "nicht einmal" zusammen, ansonsten getrennt: "ein Mal", "zwei Mal", "drei Mal" usw.

Handhabung, handhaben

 

gehören wohl nicht zu den elegantesten deutschen Wörtern. Es besteht aber durchaus kein Anlass, sie deswegen durch den englischen Begriff handling und die unsägliche, weil hässliche und irreführende Form handeln (sprich: händeln) zu ersetzen.

 

Wie wäre es denn, stattdessen das deutsche Vokabular nach Synonymen zu durchsuchen?

Experimentieren wir doch mit einigen Beispielsätzen:

 

Sie handhabt die Situation gut. -> Sie bewältigt die Situation gut.

Sie verstehen sich auf die Handhabung schwieriger Kunden. -> Sie verstehen sich auf den Umgang mit schwierigen Kunden.

Wissen Sie nicht, wie Sie diese neue Technologie handhaben sollen? -> Wissen Sie nicht, wie Sie diese neue Technologie anwenden (verwenden) sollen?

Nach dem Störfall war die Handhabung der Steuerungseinheit nur mehr bedingt möglich. -> Nach dem Störfall war die Bedienung der Steuerungseinheit nur mehr bedingt möglich.

Wir sind Testsieger im Bereich Aviation Handling. - Wir sind Testsieger im Bereich Luftfahrtabfertigung.

Komma

 

Vor so gut wie jedem Nebensatz steht im Deutschen ein Komma.

Das ist sehr lesefreundlich, weil lange Sätze gegliedert und in "mundgerechte Häppchen" zerlegt werden.

So nicht: 

Hinter dem blühenden Busch an einer steil abfallenden Stelle die nur wenige Eingeweihte kannten war ein schlichtes Holzkreuz in die Erde getrieben worden um an den gewaltsamen Tod der sanften Rosalia zu erinnern für den sich das gesamte Viertel hätte schämen müssen wäre es nach meinem Cousin Michael gegangen.

Sondern so:

Hinter dem blühenden Busch, an einer steil abfallenden Stelle, die nur wenige Eingeweihte kannten, war ein schlichtes Holzkreuz in die Erde getrieben worden, um an den gewaltsamen Tod der sanften Rosalia zu erinnern, für den sich das gesamte Viertel hätte schämen müssen, wäre es nach meinem Cousin Michael gegangen.

M e r k e:

Infinitivsätze mit "um zu" werden nach der neuen RS wieder mit einem Komma abgetrennt. In der ersten Neufassung war dies geändert worden, nun wird es wieder wie nach der alten RS gehandhabt.

 

Sie folgte mir, um meinen Bruder zu begrüßen.

Frau F. geht nicht zum Arzt, um die Praxisgebühr zu sparen.

Um das Bild gerade zu rücken, stand er auf und näherte sich der Wand.  

Neophyten

 

Neophyten sind Pflanzen, die der Mensch absichtlich oder unabsichtlich in Gegenden eingeführt hat, in denen sie davor nicht heimisch waren.

Sprache ist lebendig, wie Pflanzen, man muss Sprache pflegen wie Pflanzen, sie kann verwildern wie Pflanzen und sie schreit nicht, wenn man sie verletzt, wie Pflanzen. Darum sollen Wörter und Ausdrücke, die sich im Deutschen dort breitmachen, wo sie vorher nicht anzutreffen waren, hier Neophyten genannt werden. Zu diesen "eingeschleppten" Wendungen kann man stehen, wie man will. Die hier aufgeführten sind meinem Sprachgefühl noch fremd, und ich verwende lieber die traditionellen Begriffe.

Wenn Sie hierzu oder auch zu anderen Stichwörtern in diesem Ratgeber Ergänzungen oder Anmerkungen haben, dann verwenden Sie doch unser Kontaktformular dafür.

 

Eine kleine Auswahl von Neulingen im Deutschen:

  • Flüsse und Berge bekommen ihre Eigenschaft als Zusatz hintangehängt, also der Matterhorn-Berg, der Danube-Fluss (sprich: die Donau!) oder der Saale-Fluss. Diese Erscheinung kommt, wen wundert's, aus dem Englischen.
  • Journalist kam übers Französische zu uns, was man an der Aussprache merkte. Heute gibt es leider nur noch "Dschornalisten".
  • Länder verlieren ihre Artikel wie dürre Kiefern ihre Nadeln. Der Iran und der Irak, der Sudan und der Kongo gehören zu ihnen. Auch hier ein Umschwenken vom französischen Einfluss (l'Iran, l'Iraq usw.) zum englischen. Heutzugage fährt man auch nicht mehr in die USA, sondern nach USA.  
  • "nicht wirklich". Hieß früher "eigentlich nicht"; gedankenlose Übersetzung von engl. "not really". "Nicht wirklich" könnte man höchstens für "nicht real" verwenden, dann verändert sich natürlich die Bedeutung erheblich, z.B.: Das Erlebnis schien mir nicht wirklich, sondern eher wie ein Traum.
  • "Spas" und "Resorts" schießen aus dem Boden wie Pilze; meist als Basis für Wellnesshotels oder -oasen genutzt. Seebäder und (Luft)Kurorte sind out, sprich unmodern.

"nicht wirklich" und "wirklich nicht"

 

Ersterer Ausdruck könnte auch unter "Neophyten" aufgezählt werden, denn er ist schon längst im Deutschen angekommen und hat sich flächendeckend verbreitet.

Man kann wohl nur noch den vorher gebräuchlichen deutschen Ausdruck "eigentlich nicht" verabschieden: Requiescat in pace!

"Nicht wirklich" ist eine Übersetzung des englischen "not really".

Im Deutschen gebräuchlich war und ist allerdings der Ausdruck "wirklich nicht".

 

Bedeutungsunterschied:

nicht wirklich = eigentlich nicht, im Grunde genommen nicht, wenn man es genau nimmt, nicht

wirklich nicht = überhaupt nicht, ganz und gar nicht, ganz sicher nicht

 

Beispiele dazu:

Wir sind Geschwister, aber wir stehen uns eigentlich nicht (nicht wirklich) nahe.

Er behandelte meinen Hund gut, aber eigentlich mochte er keine Haustiere. (...mochte er Haustiere nicht wirklich)

Manche Partei bemüht sich, die Frauenquote zu erfüllen, aber im Grunde ziemlich lustlos. (...nicht wirklich mit Begeisterung)

Ich weiß wirklich nicht, wie ich das schaffen soll.

Seinen Arbeitsplatz verloren zu haben ist heute wirklich keine Schande mehr.

Wir müssen wirklich nicht um des Kaisers Bart streiten: den Einen stört "nicht wirklich", den Anderen stört "nicht wirklich" wirklich nicht.

Partizipgruppen

 

Im Englischen sind solche Partizipkonstruktionen gang und gäbe, im Deutschen seltener. Ein Nebensatz mit Konjunktion ist oft klarer und klingt weniger geschraubt (s. Beispiele). Sehr häufig passieren Fehler, weil eine grundlegende Regel missachtet wird:

 

Die Partizipgruppe muss das gleiche Subjekt haben wie der Hauptsatz.

 

Falsch konstruierte Sätze mit Partizip wirken oft unfreiwillig komisch, jedenfalls für den Sprachkenner.

So nicht:

Das sterbende Kind in den Armen haltend, erreichten Vater und Pferd die nächste Stadt.

Sondern so:

Das sterbende Kind in den Armen haltend, erreichte der Vater auf seinem Pferd die nächste Stadt.

Oder so:

Mit dem sterbenden Kind in den Armen erreichte der Vater auf seinem Pferd die nächste Stadt.

 

So nicht:

Sich in einer Blutlache wälzend, leistete ein Notarzt dem Opfer Erste Hilfe.

Sondern so:

Ein Notarzt leistete dem sich in einer Blutlache wälzenden Opfer Erste Hilfe.

Oder noch besser:

Ein Notarzt leistete dem Opfer, das sich in einer Blutlache wälzte, Erste Hilfe.

 

So nicht:

Prachtvoll gefiedert filmt die Webcam die Aras in der großen Voliere des Vogelparks.

Sondern so:

Die Webcam filmt die prachtbvoll gefiederten Aras in der großen Voliere des Vogelparks.

Oder so:

Prachtvoll gefiedert tummeln sich die Aras in der großen Voliere des Vogelparks, während sie von einer Webcam gefilmt werden.

 

Gefunden auf http://www.deutsches-theater.de/tanguera_10.html :

 

"Verführt vom kriminellen Gaudencio und geliebt vom tapferen Hafenarbeiter Lorenzo, beginnt sich eine verhängnisvolle Spirale aus Liebe und Leidenschaft, Rivalität und Feindschaft immer schneller und schneller zu drehen."

Wohl die einzige Spirale der Welt, die verführt und geliebt wird ...

scheinbar und anscheinend

 

"Scheinbar" ist ein sehr beliebtes Wort, dessen Bedeutung anscheinend Vielen unklar ist.

Scheinbar heißt: "zum Schein". Was also scheinbar so ist, ist in Wirklichkeit nicht so.

Wer scheinbar krank ist, ist in Wirklichkeit gesund.

Wer scheinbar kein Geld hat, ist in Wirklichkeit mit etwas, genügend oder viel Geld versorgt..

Wer scheinbar ein Experte ist, versteht in Wirklichkeit nichts von der Sache.

 

Wenn man dagegen ausdrücken möchte, dass sich etwas vermutlich oder wahrscheinlich so verhält, verwendet man "anscheinend".

Wer anscheinend krank ist, kann tatsächlich krank sein - muss es aber nicht.

Wer anscheinend kein Geld hat, kann wirklich ohne finanzielle Mittel dastehen - muss es aber nicht.

Wer anscheinend ein Experte ist, könnte in Wahrheit gut Bescheid wissen - das ist aber nicht sicher.

seid und seit

 

Sehr oft zu lesen und ziemlich erschreckend, weil es sich um Grundwissen handeln sollte: "ihr seit"

Man kann hier eigentlich nichts verwechseln:

Seit zwei Jahren kennen wir uns schon.

Seit ich denken kann, habe ich Tiere um mich.

Seit der Giftschlammkatastrophe in Ungarn haben wir Angst vor schweren Versäumnissen und laschen Kontrollen bei der industriellen Schadstofflagerung.

 

aber:

Seid ihr müde?

Ihr seid herzlich eingeladen.

Wenn ihr euch nicht auskennt, bleibt lieber, wo ihr jetzt seid. Wir holen euch ab.

Sprachstil

 

Wichtig bei jedem mündlichen oder schriftlichen Text ist unter anderem, dass die gewählte Sprachebene eingehalten wird. Es fällt unangenehm auf, wenn ein Text in der Standardsprache umgangssprachliche Ausdrücke enthält - sofern sie nicht bewusst als Stilmittel verwendet werden oder in Zitaten vorkommen - oder wenn umgekehrt ein Text der Alltagssprache sehr formelle Begriffe enthält. Das erste wirkt inkompetent, das zweite gewollt großspurig.

 

Beispiele für uneinheitlichen Stil finden sich immer wieder  z.B. in Texten der "Tagesschau". Die Inhalte sollen allgemeinverständlich und einer breiten Zuhörerschaft bekannt sein, gut. Aber es gibt auch Alternativen, die diesen Zweck ebenfalls erfüllen und keinen Stilbruch darstellen.

 

"Etwa 140 Menschen sollen in dem ärmsten Land Amerikas bereits an der Durchfallerkrankung gestorben sein, nachdem sie dreckiges Wasser getrunken haben." (Meldung vom 22.10.10)

"Verschmutzt" oder "verseucht" sind genauso verständlich und im Gegensatz zu "dreckig" standardsprachlich.

Superlativ

 

An der Verwendung des Superlativs, d.h. der höchsten Steigerungsform, zeigt sich sehr schnell, wer das beste, sicherste und tadelloseste Sprachgefühl besitzt.

 

M e r k e: Voller als voll geht nicht. Manche Adjektive können nicht gesteigert werden.

 

Auch wenn die Wendung "...zu unserer vollsten Zufriedenheit" in einem Arbeitszeugnis erstrebenswert sein mag, so ist sie doch vom rein sprachlichen Standpunkt unkorrekt.

Dasselbe gilt für einzig, wahr, vollkommen, ideal, unaussprechlich, zentral, verdorben, unglaubwürdig, unaverzeihlich, nichtig, weltumfassend u.ä. ... und leztendlich, wenn man es genau nimmt, auch für richtig und falsch.

Auch Zusammensetzungen, die bereits einen Superlativ enthalten, können nicht weiter gesteigert werden: meistbesucht, meistverkauft, höchstgelobt,  baldmöglichst, aber: schnellstmöglich (!),  bestmöglich, schlimmstmöglich ...

 

Hier eine Gegenüberstellung von falschem und richtigem Gebrauch:

falsch   richtig

Stricken ist ihr einzigstes Hobby.

Beim Gedanken daran erfasste ihn 

unaussprechlichstes Grauen.

Unter den nichtigsten Vorwänden verließen sie den Raum.

Wir präsentieren Ihnen seine meistverkaufteste CD.

Kontaktieren Sie uns baldestmöglichst. 

Das wäre wirklich der schlimmstmöglichste Ausgang.

Die richtigsten Antworten werden prämiert.

 

Stricken ist ihr einziges Hobby.

Beim Gedanken daran efasste ihn

unaussprechliches Grauen.  

Unter nichtigen Vorwänden verließen sie den Raum.

Wir präsentieren Ihnen seine meistverkaufte CD.

Kontaktieren Sie uns baldmöglichst.

Das wäre wirklich der schlimmstmögliche Ausgang.

Alle (vollkommen) richtigen Antworten werden prämiert.  

voraus

 

Wieder geht es nur um einen Buchstaben - wie kleinlich, meinen Sie? Ich meine, es ist ein Unterschied, ob Sie eventuell ein eher selten vorkommendes Wort wie  Parallelogramm oder ein häufig vorkommendes wie voraus (oder vorüber) nicht ganz richtig schreiben, auch wenn der Rechtschreibfehler selbst schon sehr häufig anzutreffen ist.

 

Es gibt Zusammensetzungen mit der Vorsilbe "vor-", in denen tatsächlich zwei "r" zusammentreffen:

aus vor + Recht wird Vorrecht

aus vor + rücken wird vorrücken

aus vor + Ruhestand wird Vorruhestand

 

aber:

voraus entsteht nicht aus vor + raus

vorüber entsteht nicht aus vor + rüber

 Das sieht man gut, wenn man andere Präpositionen mit "vor" wie "vorher" oder "voran" zum Vergleich nimmt.

 

Daher sollten Sie Vorauszahlungen leisten, Voraussetzungen klären oder vorübergehend nicht erreichbar sein, alles mit nur einem -r-.

was

 

Was erobert den deutschen Sprachraum im Siegeszug? -- Das kleine Wörtchen "was". Man hört es in den Nachrichten, in Interviews, in Talkshows und man liest es auch immer öfter, und zwar an Stellen, wo es nicht hingehört:

 

"Die Bundesregierung gab in der letzten Legislaturperiode ein Versprechen, was sie nie eingehalten hat."

"Von ihrem Geschäftsführer trennte sich die Gesellschaft in beiderseitigem Einvernehmen, was gestern Abend erzielt wurde."

"Das Unternehmensziel, was oberste Priorität hatte, konnte nicht erreicht werden."

Leider ist in diesen drei Sätzen was falsch verwendet. Es müsste jeweils das heißen.

Warum? Wann verwendet man was und wann das?

 

"Das"  bezieht sich auf ein vorhergehendes Nomen:

"Die Bundesregierung gab ein Versprechen, das sie nie eingehalten hat."

"Gesellschaft und Geschäfstführer trennten sich in beiderseitigem Einvernehmen, das gestern Abend erzielt wurde."

"Das Unternehmensziel, das oberste Priorität hatte, konnte nicht erreicht werden."

 

"Was" bezieht sich auf einen vorhergehenden Nebensatz, d.h. nicht auf einen einzelnen Begiriff, sondern auf eine Aussage:

"Dieses Versprechen hat die Bundesregierung nie eingehalten, was wir sehr bedauerlich finden."

("was" bezieht sich nicht auf "Bundesregierung", sondern auf die Tatsache, dass diese ihre Versprechen nicht eingehalten hat.)

 

 "Gesellschaft und Geschäfstführer trennten sich in beiderseitigem Einvernehmen, was die Aktionäre sicher sehr begrüßen werden."

(Die Aktionäre werden den Fakt begrüßen, dass die Trennung im Einvernehmen geschah.)

 

"Das Unternehmen will in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben, was oberste Priorität hat."

(Es hat oberste Priorität, dass das Unternehmen wieder in die Gewinnzone kommen will.)

wider und wieder

 

Hier geht es ebenfalls ganz kleinkariert zu, denn es handelt sich wieder nur um einen Buchstaben, ein -e-.

Es gehören so viele Dinge zum Allgemeinwissen (testen Sie es doch einmal - vielleicht mit dem "großen SPIEGEL-Wissenstest", KiWi Paperback, 11/2010?), dass man die paar Zusammensetzungen mit "wider-" leicht dazunehmen kann. Nicht immer, aber oft lässt sich die Schreibung durch die Grundbedeutung der Vorsilbe wider erschließen. Wider = (ent)gegen

 

Widerhall - der Hall, der einem entgegenschlägt

Widerruf - man behauptet zunächst etwas und dann das Gegenteil davon (als Synonym gilt "zurücknehmen", was leider zur falschen Schreibung verleitet)

Widersacher - Gegner

widersinnig - etwas, das gegen die Vernunft geht

Widerspiegelung - Gegenspiegelung

Widerspruch - Einwand gegen etwas

Widerstand - Aufstand gegen etwas

widerstreitende Interessen - Interessen, die sich entgegenstehen

widerwillig - man will das Gegenteil von dem, was man machen sollte/müsste

 

Das waren schon die wichtigsten; ein paar mehr finden Sie in einem Wörterbuch.

Hier noch ein Lapsus aus einer Werbezeitung, Ausgabe vom 13. Oktober 2010:

"Falsch berichtet? Oder einfach nur das wieder gegeben, was viele Stadtbau-Mieter denken?"